Donnerstag, 23. Mai 2013

Wer entwickelt Software?

These: Menschen, die sich wohl fühlen, Menschen, die geachtet werden, schaffen beachtliche Software

Software wird durch Menschen entwickelt. Diese Binsenwahrheit wird nur allzu oft nicht beachtet. Wir tun so, als ob Entwickler nur Werkzeuge in einem Prozess sind. Damit schaden wir dem Entwickler und auch dem Produkt, welches er schaffen soll. Beachten wir außerdem, dass der Produktionsprozess kein Selbstzweck ist, sondern eigentlich Produkte für das Leben der Menschen schaffen soll, so ist es kein weiter Weg mehr, zum Willen eine menschlich organisierten Produktion aufzubauen.

Software wird oft in Teams entwickelt. Teams setzen sich aus unterschiedlichen Personen zusammen. Diese Personen haben verschiedene Lebenswege hinter sich, sammelten unterschiedliche Erfahrungen, besitzen unterschiedliche Begabungen. Diesen Individuen gilt es gerecht zu werden. Es kann nicht das Ziel sein, Unterschiede einzuebnen, es sollte das Ziel sein, Unterschiede anzuerkennen und leben zu können. Die Individuen eines Softwareentwicklungsteams sollten sich mit ihren Begabungen im Team wiederfinden können. Sie sollten die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln und sich ernsthaft einbringen zu können. Die Achtung des Einzelnen sollte sich auf das beziehen, was der Einzelne ist und auf das, was er werden kann. Der unmittelbare Vergleich mit anderen ist kontraproduktiv, ebnet in totalitärer Ignoranz gerade die Unterschiede ein, die so fruchtbar sein könnten.

In einem Team kommen diese Individuen in Kontakt. Sie schaffen zusammen ein komplexes Produkt. Um diese gemeinsame Tätigkeit mit möglichst wenig Reibung zu gewährleisten, benötigt ein Team Regeln. Menschen haben sich für das Zusammenleben schon immer Regeln gegeben. Sie werden bewusst und unbewusst geschaffen, und es wirken nur die, die verinnerlicht sind. Nicht verinnerlichte Regeln werden gebrochen oder nur scheinbar gelebt.

Während einer Teambildung werden verschiedene Phasen durchlaufen. Am Anfang steht eine Orientierungsphase (Forming). Die Teammitglieder lernen sich kennen, beäugen sich vorsichtig. Erste Kontakte werden geknüpft. Dann folgt eine Konfliktphase (Storming). Jetzt kämpfen die Mitglieder um einen anerkannten Platz im Team. Danach geht es in die Organisationsphase (Norming), in der Posten und Rollen vergeben werden. Nun folgt die einzige wirklich produktive Phase, die Hochleistungsphase (Performing). In ihr werden die Werte und Güter geschaffen. Kommt nun jemand auf die Idee, das Team wieder auseinanderzureißen, stürzt das Team in die Umorientierungsphase (Reforming) und der Teambildungsprozess beginnt von vorn.

Aus diesem Wissen kann man zwei wichtige Lehren ziehen. Die erste Lehre: Forming, Storming und Norming sind aktiv durch das Team zu gestalten. Die Individuen müssen sich selbst als Team erschaffen, sie müssen sich selbst ihre Regeln geben, nach denen sie arbeiten wollen. Die zweite Lehre: Man sollte nie ohne Not ein funktionierendes Team auseinander reißen.

Am Ende steht die Hoffnung, dass sich kreative und unterschiedlich begabte Menschen zu einem performanten Team zusammenfinden. Diese bewusst von Individuen geformten Teams werden Produkte schaffen, die Menschen benötigen und benutzen können. Ein Großteil begeisternder Produkte entsteht genau aus der Energie, die nur aus der kreativen Freiheit des Einzelnen fließt. Die letzten Reste feudaler Organisation sollten endlich beseitigt werden.




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1 Kommentar:

  1. Was mir hier noch fehlt sind die Außengrenzen des Teams. Software wird ja auch _für_ Menschen entwickelt, d.h. ein Kunde hat sicherlich auch einen direkten oder indirekten Einfluss auf das Team. Und dann wäre da noch das Management, dass Teambildung fördern oder sogar einfordern kann. Leider kenne ich den Begriff "Team" oder besser noch "Teamfähigkeit" nur als Buzzwords mit der Bedeutung "wir setzen Dich an Deinen Platz und Du machst ohne zu murren, was wir Dir sagen". In diesem Sinne ist wirkliche Teambildung gar nicht gewollt und kann auch nicht entstehen - leider.

    Ciao Ralf

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