Samstag, 22. Juni 2013

Teambildung als bewusster Prozess

These: Menschen, die sich wohl fühlen, Menschen, die geachtet werden, schaffen beachtliche Software

Am Anfang waren sechs Personen. Jede Einzelne verfügte über eine entsprechende Qualifikation, mit der man sich die Aufnahme in das Team verdient hatte. Folgendes Wissen wurde abgedeckt: Requirements Engineering, Softwarearchitektur, Entwicklung, Qualitätsmanagement und Projektmanagement. Damit sollte einer fruchtbaren Arbeit nichts mehr im Wege stehen und die Anweisungen aus der Führungsebene können im Sekundentakt in die Gruppe einschlagen. Eine Betrachtung, die den Menschen als fühlendes und denkendes Wesen außen vor lässt, würde sicherlich davon ausgehen, dass das funktioniert. Macht es sogar. Viele Menschen quälen sich in solchen Verhältnissen durch ihren Arbeitsalltag und sehnen sich nach dem Urlaub und der Rente. In all diesen Wesen schlummert Kreativität, Fantasie und Lebensmut. Der sollte auch am Arbeitsplatz einen Ort finden.



Ein neues Team sollte bewusst seinen Teambildungsprozess in Angriff nehmen. Im Teambildungsprozess müssen drei Phasen durchlaufen werden, bevor das Team seine wirkliche Arbeitsform erreicht. Im Forming findet sich das Team, im Storming streitet es sich um das Begehrenswerte und im Norming setzt es Grundsätze. Am Anfang sollte das Team durch einen Moderator begleitet werden, der einen Weg vorgibt. Der könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:
  1. Kennenlernen durch Metaplantechnik
  2. Vortrag zu Konflikten
  3. Diskussion zu Prozessen und Rollen, Dokumentationsformen, Techniken und Tools
  4. Festlegung von Kommunikationspunkten.
  5. Verteilung der Rollen
  6. Durchführung eines Testprojektes
  7. Auswertung des Testprojektes
  8. Dokumentation der Ergebnisse
Das Kennenlernen durch Metaplantechnik gibt jedem die Möglichkeit, etwas von sich Preis zu geben und die anderen kennen zu lernen. Jeder bekommt 3 rote Karten, 3 gelbe Karten und 3 weiße Karten. Auf jede Karte kommt ein Wunsch, die zu einem für die Farbe vorgegebenen Thema passen sollten. Diese Themen könnten zum Beispiel sein: "Was erwarte ich?", "Was kann ich?" und "Wie sollten wir miteinander umgehen?". Die Karten werden nach der Beschriftung an einer Pinnwand angebracht. Die Gruppe versucht danach gemeinsam zu ordnen und zu klassifizieren. Außerdem sollte sie eventuelle Konfliktpotentiale erkennen.

Eine dazu geeignete Person sollte einen Vortrag zu Konflikten halten. Es sollte erläutert werden, welche Konfliktarten es gibt, wie man sie analysiert, welche Dynamik sie entwickeln können und welche Lösungsansätze es gibt. Dadurch wird die Gruppe für das Lösen von Konflikten sensibilisiert.

Jetzt geht es daran, den täglichen Arbeitsablauf im Team zu gestalten. Es wird eine ausgiebige Diskussion zu Prozessen und Rollen, Dokumentationsformen, Techniken und Tools geben. Eine sehr wichtige Diskussion, in der vorher vereinbart wird, dass jeder mit diesen Arbeitsmitteln arbeiten muss. Über jedes Arbeitsmittel sollte ein Konsens erzielt werden. Jede überstimmte Person wird mit der entsprechenden Motivation mit dem Arbeitsmittel arbeiten und somit die Produktivität des Teams senken.

Ein besonderer Punkt, der schon im vorigen Punkt hätte abgehandelt werden können, ist die Kommunikation im Team. Mir erscheint er aber als so wichtig, dass ich ihm einen extra Platz einräume. Der Festlegung von Kommunikationspunkten sollte allein schon deswegen große Aufmerksamkeit gewidmet werden, weil sie ein zentraler Punkt im Leben sozialer Lebewesen und innerhalb ihrer Arbeit ist. Hier kann man das Daily Scrum organisieren oder festlegen, dass alle Architekturentscheidungen in Architekturreviews zu kommunizieren sind.

Bei der Verteilung der Rollen geht es darum, Rechte und Pflichten in der Gruppe aufzuteilen. Es sollte klar gemacht werden, dass Rollen ein Dienst am Team sind. Die Zeiten des Ständestaates sollten vorbei sein, und Aufgaben sollten für uns Herausforderungen sein. Doch genau das muss im Team diskutiert werden. Die genauen Wege von Exekutive und Legislative sind im Team klar zu definieren.

Nach vielen Diskussionen ist es an der Zeit, die Verfassung des Teams zu testen. Das geschieht in der Durchführung eines Testprojektes und ist als Selbsttest gemeint. Keine äußere Instanz darf durch Erwartungen von außen den Teambildungsprozess deformieren. In diesem Projekt wird alles Vereinbarte zur Anwendung gebracht.

In der Auswertung des Testprojektes wird die erste Fehleranalyse durchgeführt. Die Bedeutung von Fehlern für Verbesserungen, die Freiheit, sie zu erkennen, nicht dafür bestraft zu werden und aus ihnen lernen zu dürfen werden betont. Damit wird ein Prozessverbesserungskreislauf initiiert, der auch im späteren Teamleben weitergeführt wird.

Zum Schluss sollten eine Dokumention der Ergebnisse durchgeführt werden. Damit sind die Regeln für das Team sichtbar und greifbar. Am Ende wird ein Team von Individuen stehen, die gerne in einer Gruppe zusammenarbeiten.

17.12.2013: Patrick Koglin baut seinen Blogartikel Teamfindungs-Termine oder lieber kontinuierliches Forming? auf diesem Artikel auf und entwickelt ihn mit Hilfe seiner Erfahrungen weiter.

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