Mittwoch, 12. Juni 2013

Wissensformen

These:Gute Software benötigt gute fachliche Anforderungen.

Dieser Post ist wieder ein Kapitel aus meiner Diplomarabeit [BAU09].

Im Interaktionsnetz der an einem Thema zusammenarbeitenden Menschen ist immer eine Ungleichverteilung des Wissens gegeben. Das Wissen des Einen muss zum Anderen transportiert werden, ohne dass es zu allzu großen Verlusten bei der Informationsübermittlung kommt.

Im Prozess der Softwareentwicklung sind drei Wissensformen maßgebend. Das fachliche, das technische und das analytische Wissen.



Das fachliche Wissen ist das Wissen vom Gegenstand, vom realen Geschäftsprozess, der in der Software abgebildet werden soll. Das Fachwissen ist oft beim Auftraggeber oder in Fachabteilungen konzentriert. Bei einer Software für eine Bibliothek würde der Bibliothekar oder die Bibliothekarin über das Fachwissen verfügen. Er oder sie weiß, wie Bücher verliehen werden, welche Ausleihzeiten es gibt, welche Säumnisgebühren bei zu später Rückgabe erfolgen und wie Bücher vorbestellt werden.

Das technische Wissen ist das Wissen von der Softwareerstellung. Wie und mit welchen Techniken, mit welcher Architektur und mit welchen Prozessen erstelle ich eine Software. Der Architekt erstellt eine Softwarearchitektur mit Schichten, Komponenten und entsprechenden Schnittstellen. Es kommen Datenbanken, XML, JMX oder andere Techniken zum Einsatz.

Das analytische Wissen ist das Vermögen, einen Prozess zu ordnen und zu strukturieren. Es ist eine Art Hilfswissen, das notwendig ist um Fachlichkeit oder Technik in klarer und präziser Weise darzustellen. Der Analytiker verfügt über Wissen in Techniken zum Wissenserwerb, zur Ordnung und Bewertung dieses Wissens.

Diese drei Wissensrollen können in einer Person auch mehrfach ausgeprägt sein. So kann jemand über Fachwissen und über analytisches Wissen verfügen. Oft sind diese Formen jedoch über verschiedene Personen verteilt, die dann zu einer engen Zusammenarbeit gezwungen sind.

"Die Stärken und Schwächen liegen in völlig unterschiedlichen Bereichen. Häufig liegen sie auch komplementär zueinander: Der Entwickler ist ein guter Analytiker und abstrakter Denker mit geringem fachlichen Know-how und der Fachbereichler ein langjähriger Fachexperte mit gering ausgeprägten Fähigkeiten in Analyse und Abstraktion. Im Gespräch zweier solcher Personen werden sie dabei regelmäßig mit ihren Defiziten konfrontiert." [S.64, JAV0606]

Durch ein günstiges Kommunikationsklima und ein offenes Arbeitsklima kann dieser Gegensatz gemildert werden, wie weiter oben ausgeführt wurde.

Die Verteilung der Wissensformen muss in ihrer Quantität und Qualität beurteilt werden und im richtigen Augenblick muss auf die richtige Wissensform zugegriffen werden. Sowohl dem Fachwissen als auch dem technischen Wissen muss analytisches Wissen zugeordnet werden.


  • [BAU09] Ralf Baumann: "Entwicklung eines Arbeitsablaufes für die Entwicklung von Anforderungen an eine Software durch den Auftraggeber.", Diplomarbeit an der FH Trier, 2009
  • [JAV0606] Uwe Vigenschow, Guido Zokoll: „Erfolgsfaktor Mensch, Teil 1: Wieso Entwickler nicht reden und Fachbereiche nicht programmieren können“, Javamagazin, Ausgabe 6 2006 S.61-S.64
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