Mittwoch, 17. Juli 2013

Nutzerrollen, Personas und extreme Charaktere

These: Systemkontextanalyse öffnet die Augen für optimale Software

Artikelübersicht
1. Teil Kontextaspekt Stakeholder.
2. Teil Nutzerrollen, Personas und extreme Charaktere.
3. Teil Organisationsstrukturen.


Im Post Kontextaspekt Stakeholder habe ich ein Modell zur Erfassung von Stakeholdern beschrieben. Dieses Modell möchte ich für die Aspekte der agilen Softwareentwicklung erweitern. Dort werden durch User User Stories formuliert. Ein mögliches Template für eine User Story ist

"Ich als (Rolle) möchte (Funktion), damit (Geschäftswert)." [S.100, COHN10]

Ein User tritt in einer bestimmten Rolle auf. Damit eine umfangreiche Sammlung von User Stories erstellt werden kann, müssen die User in verschiedene Nutzerrollen segmentiert werden.

[COHN10] führt die folgenden Schritte an, um Nutzerrollen zu erzeugen: "
  • Ideen für einen Initialsatz an Nutzerrollen sammeln
  • Initialsatz an Nutzerrollen ordnen
  • Nutzerrollen konsolidieren
  • Nutzerrollen verfeinern
"[S.53, COHN10]

Nachdem man in einem Brainstorming erste Ideen für Nutzerrollen gesammelt hat, können Gruppen für Nutzerrollen gebildet werden. Die im Post Kontextaspekt Stakeholder erläuterte Darstellung zur Zusammenfassung von Personen in Gruppen kann dafür genutzt werden. Damit das Konsolidieren und Verfeinern der Nutzerrollen möglich wird, kann man Personen zwischen den Gruppen verschieben und man kann Gruppen teilen. Jede Gruppe verfügt über Metainformationen. Ist die Gruppe eine Nutzerrolle, verfügt sie beispielsweise über eine genaue Beschreibung.

Für Nutzerrollengruppen können imaginäre Repräsentanten erstellt werden, sogenannte Personas. Diese virtuellen Vertretertypen können ebenfalls der Gruppe zugeordnet werden.



Die Persona besitzt auch ein Aktionsfeld mit Aktionsbutton. Der Aktionsbutton "?" verbirgt die genaue Beschreibung der Person. Diese imaginäre Person sollte ein typischer Vertreter seiner Gruppe sein. Im viereckigen Kopf kann ein Passfoto der Persona platziert werden. Es ist wichtig, sich diese virtuelle Person als wirkliche Person vorstellen zu können.


In der Persona werden die Ergebnisse der Marktforschung zu dieser Zielgruppe zusammengefasst und somit ein idealtypischer Vertreter geformt. Mit Hilfe dieser Vorstellung sollte es einfacher sein, gute User Stories für diese Nutzerrolle zu finden.

Ein weiterer interessanter Ansatz ist die Kreation von extremen Charakteren. Die Erfinder dieses Denkansatzes (Djajadiningrat und Co-Autoren) "haben insbesondere vorgeschlagen, den PDA für einen Drogenhändler, den Papst und eine 20-jährige Frau mit mehreren Liebhabern zu planen." [S.59, COHN10]


Der extreme Charakter besitzt auch ein Aktionsfeld mit Aktionsbutton. Hinter dem Aktionsbutton "?" verbirgt sich die genaue Beschreibung des extremen Charakters.


Zwischen extremen Charakteren und/oder Personas existieren keine Beziehungspfeile. In beiden Fällen handelt es sich um virtuelle Personenplatzhalter, die keine wirklichen Beziehungen zueinander besitzen.


  • [COHN10] Mike Cohn: "User Stories", 1. Auflage, mitp, Heidelberg, 2010


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Kommentare:

  1. Das Wort "extreme Charaktere" habe ich zum ersten mal gehört und es gefällt mir gut.

    Ich denke, das hilft vor allem, weil es Denkblockaden überwindet und Kreativität freisetzt.

    Mal eine These: jede Technik ist nur solange gut, solange sie neu bzw. zumindest ungebunden ist.

    Man Stelle sich mal einen "Prozess" vor, indem vorgesehen ist, 2-5 extreme Charaktere zu entwerfen.
    Ich bin mir nicht sicher, ob dies dann bei mir immer noch die gleichen kreativen Energien freisetzen würde.

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  2. Auch für mich sind extreme Charaktere neu. Ich finde den Ansatz gut, um Kreativität zu fördern. Es gibt auch viele ähnliche Kreativitätstechniken, die dasselbe Prinzip nutzen.

    Ich glaube allerdings, dass es wichtig ist, nach der Ideenfindung wieder zu den realistischen Personas zurückzukehren. Letztendlich muss eine Software für eine bestimmte Nutzergruppe "usable" sein, und nicht für den Papst.

    Meine Empfehlung: extreme Charaktere für die Ideenfindung; Personas für die Bewertung der Ideen.

    Um mehr über Personas zu lesen, besuchen Sie unsere Website: www.apliki.de

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