Donnerstag, 14. November 2013

Der Einzelne und das Team oder ein Borgkollektiv.

These: Menschen die sich wohl fühlen, Menschen die geachtet werden schaffen beachtliche Software.

In der modernen Welt gehen wir ein Arbeitsverhältnis ein, um unsere Lebensgrundlagen zu sichern. Wir unterschreiben einen Arbeitsvertrag. In diesem versprechen wir dem sogenannten Arbeitgeber eine Arbeitsleistung und bekommen dafür Geld. Mit dem Geld können wir einen gewissen Lebensstandard absichern. Ich hoffe, dass dieses grundsätzliche Verhältnis unstrittig ist, obwohl ich schon erstaunte Arbeitgeber gesehen haben, die diese Anschauung seltsam fanden.

Da man sehr viel Arbeitszeit in seinem Job verbringt, ist es für die Psyche nicht gerade förderlich, diese Zeit mit mobbenden Arbeitskollegen, kolerischen Chefs, sinnlosen Arbeitsanweisungen oder Nichtstun zu verbringen. Da ist es angebracht in ein tolles Team zu kommen. Dort existiert die heile Welt, die man sucht. Einer steht für den Anderen, die verschiedenen Wissensbereiche ergänzen sich, man ist höflich zueinander, man hat interessante Aufgaben und man trägt gemeinsam Verantwortung. Wahrscheinlich kann man lange suchen, bis ein solches Paradies ausfindig gemacht wurde, aber den Traum kann man durchaus haben.



An dieser Stelle wollen wir Mittel und Zweck diskutieren. Wozu ist ein Team da? Das Ziel eines Unternehmens Gruppen zu bilden ist die Zusammenführung verschiedener Professionen, die an einem gemeinsamen Ziel arbeiten und für dieses Ziel die verschiedenen Begabungen benötigen. Man könnte die verschiedenen Personen natürlich in getrennte Räume setzen und die Ergebnisse per Rohrpost oder Email an den nächsten schicken. Da der Mensch jedoch ein soziales Wesen ist und die direkte Kommunikation eine Fülle von Transformationsverlusten vermeidet, ist Teamfähigkeit oberstes Gebot und man setzt alle in einen Raum. Das Team ist also Mittel zum Zweck.

Was aber, wen sich das Team zum Zweck verselbstständigt. Der Einzelne hat sich dem Team unterzuordnen. Man bildet Arbeitsgemeinschaften, in denen Teambildungsmaßnahmen, verordnetes Duzen, elend lange Arbeitstage und allgemeiner verordneter Frohsinn zum Selbstzweck werden. Da trifft man sich an Wochenenden zur gemeinsamen Freizeitgestaltung, springt auf einem Bein in Chaka-Veranstaltungen und hat irgendwie das Gefühl, von der Gruppe vereinnahmt zu werden. Eine Hierarchie kann noch so flach sein, es ist eine Hierarchie. Der Besitzer, der Chef hat Macht über mich und da kann nur ein vernünftiges Verhältnis entstehen, wenn man diese Machtverhältnisse wahrnimmt und nicht leugnet.

Der große Fortschritt des Rechts vom feudalen Lehnsherrn zur bürgerlichen Gesellschaft war die Abschaffung des Willkürrechts durch einklagbares Gesetz. Innerhalb einer Firma ist es ein Rückschritt, sich dem Druck der Gruppe auszusetzen und der Willkür des Chefs. Mein Recht ist es um 8 Uhr zu kommen, um 16:30 Uhr zu gehen, Überstunden nur im Ausnahmefall zu machen und dafür zu streiten, dass ich diese bezahlt bekomme. Genauso ist es mein Recht, bestimmte Leute zu Siezen und mein Äußeres nicht den Coporate Identity Vorschriften zu unterwerfen. Wer da als Ausweg die Kündigung anbietet, hat die Wichtigkeit eines Jobs als Lebenserhaltung nicht begriffen. Vernunftbegabte Firmen und Systeme wissen um die unterschiedlichen Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern und schaffen Interessenausgleichssysteme.

Genauso hat nicht jeder im Team gleiche Interessen. Auch dort muss es Regeln geben, Interessenausgleichssysteme und Konfliktlösungsstrategien um Willkür zu ersetzen und das Team für den Einzelnen berechenbar zu gestalten. Als oberste Regeln müssen der Zweck des Teams und die zugesicherte Privatheit der Einzelnen definiert werden. Ich muss jederzeit das Recht haben, mich Dingen zu verweigern, die mit dem eigentlichen Arbeitsziel nichts zu tun haben. Ich muss nur Dinge tun, die ich vertraglich zugesichert habe. Wenn die Gruppe beherrschend wird, ist das Individuum in Gefahr.

Ein Team hat dem Einzelnen zu dienen. Es muss die Arbeitsaufgabe, die das Team zu erledigen hat, einfacher gestalten. Dazu gehört ein kritischer, aber höflicher Umgang miteinander. Bei Schwierigkeiten müssen eindeutige Regelsysteme greifen, die bekannt waren oder zu deren Mitgestaltung die Einzelnen befähigt wurden.

Ein Unternehmen ist Teil der ökonomischen Sphäre einer Gesellschaft. Der Mensch ist nicht alleiniger Teil dieser Sphäre. Die Arbeit ist für ihn Mittel zum Zweck. Er gestaltet mit dem Ergebnis seine Freizeit, seinen Unterhalt, soziale Beziehungen etc. Die Mittel-Zweck-Beziehung der Arbeit zeigt auch ein deutliches Abhängigkeitsgefüge mit erheblichem Erpressungspotential. Dennoch ist die Arbeitswelt auf die private, politische und öffentliche Sphäre unserer Gesellschaft angewiesen. Hier entstehen, genau wie in ihr selbst, die Bilder und Gedanken, die unsere Umwelt gestalten. Kreative Menschen sind Menschen, die versuchen sich ihrer selbst bewusst zu werden, die alles in Frage stellen dürfen, die nicht von Kollektiven vereinnahmt werden und privaten Freiraum haben.

Ein Team ist nicht die Institution, mit der man Menschen das Gefühl geben sollte, das Unternehmen ist mein Unternehmen. Das läuft in unserer Gesellschaft über Besitz und Mitbestimmung. Kann ich das Unternehmen gestalten? Habe ich Anteil am Gewinn? Habe ich Möglichkeiten kreativen Unternehmertums? Habe ich die Sicherheit eines einklagbaren Rechtsraums? Das sind die Punkte, die mich zum Mitgestalter und Mitbesitzer machen und mich aus der unmündigen Rolle eines abhängig Beschäftigten führen. In den Begriffen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist diese Unmündigkeit manifestiert. Da ich zu essen brauche, muss ich meinem Brotgeber auf ewig dankbar sein. Kreativfirmen sollten auf eigenständige Persönlichkeiten setzen, deren Geist in das Unternehmen einfließt und deren Bindung an das Unternehmen eine freiwillige ist.

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