Freitag, 28. Februar 2014

Arbeitsumgebung kann Kreativität töten.

These: Menschen die sich wohl fühlen, Menschen die geachtet werden schaffen beachtliche Software.

Im Post Teambildung als bewusster Prozess habe ich dafür plädiert, die Bedeutung von sich selbst erschaffenden und langfristig existierenden Teams anzuerkennen. Die Leistungsfähigkeit eingespielter Teams scheint mir um ein Vielfaches höher als von Menschen, die wie Dinge aus einem Pool geholt und je nach Laune in neue Teams gesteckt werden. Für diese Zusammenschlüsse von Arbeitsgemeinschaften würde ich das Wort Team nicht benutzen. Jedesmal beginnt der Teambildungsprozess von vorn. Die Phasen Forming, Storming und Norming reduzieren die Leistung, bei Scrum muss die velocity immer wieder neu bestimmt werden und Leute, bei denen die Chemie nicht stimmt, haben keine Chance, langfristig ein zu Hause in anderen Teams zu suchen. Die Liste ließe sich um einiges verlängern. Doch wo das Management diese Prozesse beherrscht, baut sich ein gewaltiger Konkurrenzvorteil auf.

In Gebieten, wo die Entwicklung auf neues Terrain vordringt, werden die Vorteile besonders wichtig. Eingespielte Teams kennen sich, sie kennen die Stärken und Schwächen der Teammitglieder, sie entwickeln ein gemeinsames Verständnis von Arbeit, gegenseitiger Hilfe und Wissenserwerb. Im Post In Softwareprojekten gibt es viel zu entdecken! wird gezeigt, wie wichtig Entdeckerarbeit bei der Entwicklung von Neuem ist. In diesem Post möchte ich nun auf eine günstige Arbeitsumgebung für eine fruchtbare Teamarbeit eingehen.



Die Achtung vor dem Entwickler und seiner Tätigkeit gebietet Arbeitsplätze, an denen Ruhe zum Arbeiten existiert, eine schnelle Hilfe bei Schwierigkeiten ermöglicht wird und Orte der Diskussion und des Gedankenaustausches eingerichtet sind. Großraumbüros mit laut redenden Menschen, klingelnden Telefonen und umherschweifenden Chefs bieten keine geeignete Atmosphäre. Es müssten also Büros für zwei bis maximal vier Leute eingerichtet werden. Ein Team besitzt so ein oder zwei ruhige Arbeitsräume. Telefongespräche werden nur im Notfall durchgestellt und können im Bedarfsfall auf andere Räume und Geräte umgestellt werden.

Auch an der Ausstattung des Arbeitsplatzes kann man die Achtung vor denen, die die Arbeit machen, erkennen. Wie alt ist die Technik? Wurden Tische, Bürostühle und Rechner nach ergonomischen Richtlinien ausgewählt? Wie freundlich sehen die Räume aus? Gibt es genug Licht? Blumen, nette Bilder, ansprechende Möbel können einen Raum so gestalten, dass er das Wohlbefinden befördert und nicht schon 20% der Arbeitsproduktivität senkt, weil der Geist mit räumlicher Depression beschäftigt ist. Ein sinnvolles Technikangebot am Arbeitsplatz kann die Arbeitsproduktivität allein schon wegen erhöhter Leistungsfähigkeit steigern. Die fehlenden Wartezeiten wegen veralteter Technik machen sich um ein Vielfaches bezahlt. In den Büros muss es also moderne Technik und ansprechende Raumausstattung geben.

Ein gutes Management hat seine Arbeitsorganisation so im Griff, dass nur in Ausnahmefällen Überstunden geschoben werden. Ein erhöhtes Missmanagement ist es dann gar, wenn diese Stunden nicht einmal bezahlt werden. Trotz einer funktionierenden Arbeitsorganisation verbringt man jeden Tag bis zu 9 Stunden auf der Arbeit. Ein großer Teil der sozialen Beziehungen werden in unserer Gesellschaft durch die Arbeit bestimmt. Deshalb zeigt die Möglichkeit, einen unbeobachteten Plausch in der Küche zu machen und dabei Kaffee aus einer exzellenten Kaffeemaschine zu trinken, an, dass auch diese Bedürfnisse geachtet werden. Frisches Obst und Ruheecken ermöglichen es den Mitarbeitern, über einen langen Zeitraum physisch und psychisch gesund zu bleiben. Ungesunder Druck kostet Menschen Jahre ihres Lebens und diese Verantwortung kann ein organisiertes Missmanagement nicht von sich weisen. Verantwortliches Management erkennt den Wert des Menschen im Unternehmen und richtet solche Sozialräume ein.



Zentral für den Ort, an dem man kreative Leistungen erbringen will, ist ein Platz, an dem das auch möglich ist. Es sollte einen Raum geben, der ideal in Bezug auf das Team eingerichtet ist und der gemeinsamen Wissensarbeit dient. Wie diese gemeinsame Arbeit aussieht, ist vom Team abhängig, wie demzufolge der Raum aussieht, ist ebenfalls vom Team abhängig. Eine gewisse Anzahl von Whiteboards oder Whiteboardfolien schaffen die Möglichkeit, Wissen schnell zu visualisieren und zur Diskussion zu stellen. In diesem Raum wird die Softwarearchitektur vermittelt, die geschaffen werden soll, es wird gemeinsam programmiert und Reviews durchgeführt, neue Ideen werden diskutiert, Wissen wird dokumentiert, Strukturen werden geschaffen, Tools diskutiert, Hilfe erteilt und Probleme gelöst. Für all diese vielen Schritte muss es Unterstützung durch geeignete Mittel geben. Dieser Raum ist der geeignete Platz für die gemeinsame Arbeit. Die anderen Büros dienen dem Rückzug in die Einzelarbeit. Zwischen Team- und Einzelarbeit muss ein ausgewogenes Verhältnis bestehen. Der Einzelne brütet allein Ideen aus, die er dem Team vorstellt und durch die gemeinsame Arbeit daran zu ganz anderer und höherer Reife führt.

Die Raumstruktur, die Technik und die räumliche Ausstattung sagt viel über die Kultur eines Unternehmens aus. Beim Durchschreiten der Büroräume eines Unternehmens können Sie sehen, welche Begriffe von Arbeit, Mensch, Freizeit, Kreativität und Achtung existieren. In diesem Fall ist der erste Eindruck sehr hilfreich. Wird ein normierter Arbeiter erwartet oder die Unterschiedlichkeit kreativer Intelligenz?

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Kommentare:

  1. Wirklich ein sehr interessanter Beitrag!

    Da kann ich nur zustimmen:

    "Zwischen Team- und Einzelarbeit muss ein ausgewogenes Verhältnis bestehen".

    "Raum für Team- und Einzelarbeit"

    Ab wann kann man Sie als Coach buchen :) ?

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  2. Toller Beitrag. Er hat mir mal wieder gut vor Augen geführt, dass die "Ressource" Mensch in Unternehmen immer einer sehr guten Behandlung bedürft, auch im Sinne des Unternehmens.
    Dein Beitrag ist, wie ich finde übrigens auf alle Unternehmen (nicht nur Softwareunternehmen) anwendbar.

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  3. Ein sehr guter Beitrag, der mir mal wieder gut vor Augen geführt hat, dass die "Ressource" Mensch in Unternehmen erheblich mehr (Be-)Achtung bedürft, als man im ersten Moment denkt, auch im Sinne des unternehmerischen Erfolgs.
    Im übrigen ist dieser Beitrag sicher für alle Unternehmen (nicht nur Softwareunternehmen) relevant.

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  4. Finde Team Building an sich interessant,
    allerdings scheinen mir die Ansätze zu "Team-Romantisch".

    Die frage sollte eher lauten wie kann ich den Team Building prozess beschleunigen und eine Firmen Kultur schaffen in denen ich Teams schnell nach bedarf zusammen stellen kann.

    Mitarbeiter Wechseln nunmal, Abteilungswechsel, Firmenwechsel, Babypause, Rentenaltern, Azubis, neue Mitarbeiter, Wachstum.

    Auch die Aufgaben wechseln im Umfang,
    immer die gleichen zusammen arbeiten lassen ist eine Möglichkeit allerdings Praktisch schwer umzusetzen.

    Die Frage "Wie schaffe ich es das leute sich in Teams schnell zusammenfinden und wenig Reibungsverlust entsteht" finde ich wichtiger.

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  5. Ein Teambuilding stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und verbessert die Kommunikation. Deswegen wollen wir in ein paar Wochen gemeinsam ein 2-tägiges Teamtraining mit Erlebnisinhalten machen. Wir wollten uns einen Bus mieten (beispielsweise von hier) und zum Mehliskopf/Schwarzwaldhochstrasse fahren. Die Übernachtung in der Jurte auf Feldbetten ist inklusive.
    Dort wollen wir dann ein Teamcooking auf dem Lagerfeuer mit einem Koch machen und am nächsten Tag ist eine Floßbauaktion an der Schwarzenbach-Talsperre geplant. Das ist alles schön unbd gut, wir brauchen nur noch ein paar Ideen für Teambuilding-Spiele abends am Lagerfeuer!
    Habt ihr Ideen? Danke und liebe Grüße

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