Freitag, 12. September 2014

Eine Arbeitsvorlage, ein strategisches Team und ein tolles Geschäft.

Prozessübersicht Softwareentwicklung

Artikelübersicht
1. Teil Missing Links im Modell.
2. Teil Gibt es einen eklatanten Wissensbruch in der Softwareentwicklung?
3. Teil Entwurf und Bauen von Software – eine falsche Vorstellung.
4. Teil Softwareentwurf ist ein organisierter Kreislauf.
5. Teil In Softwareprojekten gibt es viel zu entdecken!
6. Teil Die Interaktion mit dem Kontext ist ein wesentlicher Grund für den Erfolg eines Softwareprojektes.
7. Teil Das unentdeckte Land oder wo noch nie ein Mensch gewesen.
8. Teil Mit schlanken Methoden zu gewollter Software.
9. Teil Die Flexibilität des Vorgehens schenkt laufende Verbesserungen.
10. Teil Vom Problem seiner Rolle gerecht zu werden.
11. Teil Wir gründen eine virtuelle Firma.
12. Teil Warum ist unsere virtuelle Firma nur ein Torso?
13. Teil Eine Arbeitsvorlage, ein strategisches Team und ein tolles Geschäft.
14. Teil Ein fortgesetztes tolles Geschäft.


Im letzten Post wurde ein strategisches Team gebildet. Seine Aufgabe ist es, eine grundsätzliche Vision des Unternehmens zu entwickeln. Dazu möchte ich in diesem Post zeigen, wie es mithilfe einer existierenden grafischen Methode zum Ziel kommt. Neben dem Business Motivation Model (BMM) der OMG steht somit eine weitere Methode zur Strategieplanung zur Verfügung. Es kann nie schaden, einen Gedankengang mithilfe verschiedener Methoden und Sichten zu durchdenken. Jede neue Methode fügt Aspekte hinzu, hilft Fehler zu korrigieren und so ein immer besseres Gesamtbild entstehen zu lassen. Bei der angekündigten Methode handelt es sich um die Business Model Canvas (BMC). Alexander Osterwald und Yves Pigneur beschreiben diese Methode ausführlich in ihrem Buch [OSTER10]. Mit der BMC gelingt es in übersichtlicher Form ein Geschäftsmodell im Team auf einer standardisierten Vorlage zu entwickeln. Dazu müssen wir natürlich eine ungefähre Ahnung haben, was ein Geschäftsmodell ist. "Ein Geschäftsmodell beschreibt das Grundprinzip, nach dem eine Organisation Werte schafft, vermittelt und erfasst." [S.18, OSTER10]



Die BMC ist eine Arbeitsfläche, die in 9 Bausteine unterteilt ist. Im Folgenden werden wir die einzelnen Bausteine nacheinander betrachten. Dazu entwickeln wir beispielhaft ein Geschäftsmodell und stellen uns vor, dass es das Ergebnis der Diskussion im Strategieteam ist. Anfangen werden wir mit dem Wertangebot. "Der Baustein Wertangebot beschreibt das Paket von Produkten und Dienstleistungen, das für ein ganz bestimmtes Kundensegment Wert schöpft." [S.26, OSTER10] Wir müssen uns also ein Angebot überlegen, welches beim Kunden Interesse erzeugt. Das Strategieteam ist zu der Überzeugung gekommen, dass wir dem Kunden Kurse anbieten können, in denen sowohl der Auftragnehmer als auch der Auftraggeber von Software die Bedeutung des Requirements Engineering entdecken kann. Das geschieht durch Wissensvermittlung, reflektierende Diskussionen und der selbstständigen Entwicklung eigener Wege. Diese Kurse können auch als begleitender Prozess einer Umgestaltung in der Softwareentwicklung gebucht werden. Darüber hinaus werden Wissensprospekte zum Requirements Engineering angeboten und die Dokumentation des gemeinsam erarbeiteten Prozesses im Besonderen. Ein ganz spezifisches Angebot für Auftraggeber ist die Erstellung der Software durch das hauseigene Entwicklerteam durch einen solchen gemeinsam entwickelten Anforderungsprozess. Damit gehört die Erstellung von Individualsoftware ebenso zum Wertangebot.

Für wen wollen wir diese Dienstleistung anbieten? "Der Baustein Kundensegmente definiert die verschiedenen Gruppen von Personen oder Organisationen, die ein Unternehmen erreichen und bedienen will." [S.24, OSTER10] Eigentlich haben wir das bereits innerhalb der Produktdefinition erwähnt. Wir wenden uns an Auftragnehmer und Auftraggeber von Software. Da es sich bei unserem Betrieb um ein relativ kleines Unternehmen handelt, schränken wir unser Angebot auf kleinere und mittlere Softwareprojekte ein. Insbesondere wollen wir Kundengruppen ansprechen, die in den vergangenen Jahren Schwierigkeiten hatten, die Software zu bekommen, die sie wollten bzw. die Software zu erstellen, die gefordert war. Wir sehen diesen Leidensdruck als Triebfeder für Veränderungen. Natürlich spielt in diesem Zusammenhang die Betriebskultur eine große Rolle. Entsteht der Druck nur im Arbeitsteam, jedoch nicht auf der Entscheiderseite, sind die Karten für Veränderungen oft schlecht verteilt. Trotzdem versuchen wir es mit Aufklärung. Durch weitere Diskussionen animiert, wollen wir auch Aufklärungs- und Diskussionsabende für Entscheider anbieten. Das gehört natürlich in den Bereich Wertangebot. Dieses Hin- und Herdenken ist Absicht. Die Ordnung entsteht durch die grafische Übersicht.

Zwei Bausteine verbinden nun das Wertangebot mit den Kundensegmenten, die Kanäle zum Kunden und die Kundenbeziehungen. "Der Baustein Kundenbeziehungen beschreibt die Arten von Beziehungen, die ein Unternehmen mit bestimmten Kundensegmenten eingeht." [S.32, OSTER10] Da es sich um harte Aufklärungsarbeit handelt, sind der Aufbau persönlicher Beziehungen von hoher Wichtigkeit. Es gilt Prozesse zu begleiten, beratend und unterstützend vor Ort zu sein. Der Kunde muss sich darauf verlassen können, direkt mit dem Anbieter zu kommunizieren. Auch angebotene Kurse basieren auf persönlichen Beziehungen. Sie sollten in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden, in der alle Reize positiv auf das Neue eingestimmt werden. Die Bildung einer Community ist für diesen Prozess ebenfalls überlegenswert. So kann man das Gefühl erzeugen, in einem Gesamtprozess eingebunden zu sein. Die Tätigkeit des Unternehmens baut also auf direkten Kundenbeziehungen auf.

"Der Kanäle-Baustein beschreibt, wie ein Unternehmen seine Kundensegmente erreicht und anspricht, um ein Wertangebot zu vermitteln." [S.30, OSTER10] Über die Kanäle soll Verschiedenes erreicht werden. Es wird Aufmerksamkeit für das Produkt erzeugt. Der Kunde soll das Produkt bewerten können. Dazu ist Werbung für das Produkt notwendig. Die Kunden erhalten dazu die Möglichkeit sich im Internet zu informieren. Es gibt eine Homepage und einen Blog. Hier findet der Kunde auch eine Kontaktadresse, bei der er Informationsmaterial ordern kann. Überzeugen ihn das Internetangebot bzw. die Informationsmaterialien, kann er im Internet auch Kurse oder Prozessbegleitung ordern. Da es sich jedoch um eine wertvolle Dienstleistung handelt, wird das Hauptaugenmerk auf der direkten Vermittlung liegen. Telefonberatung, direkte Gespräche und Schnupperkurse sollen den Kunden von der Notwendigkeit überzeugen und ihn zum Abschluss bewegen. Einfache Informationen können laut Anfrage natürlich auch per Email versandt werden. Nachdem die Kunden die Dienstleistung in Anspruch genommen haben, ist eine Nachbereitung sehr wichtig. Zum Einen muss ergründet werden, ob der Kunde zufrieden ist, zum Anderen, welche Dinge und Prozesse verbessert werden müssen. Der unzufriedene Kunde spielt dabei eine große Rolle. Dieselben Kanäle können natürlich auch für die Erstellung von Individualsoftware benutzt werden. Dabei muss sich die Firma darauf einstellen, den Support bereits ab dem first level support zu übernehmen.



Nachdem wir wissen, was wir an wen wie verkaufen, bleibt die Frage, was verdienen wir daran? "Der Baustein Einnahmequelle steht für die Einkünfte, die ein Unternehmen aus jedem Kundensegment bezieht (Umsatz minus Kosten gleich Gewinn)." [S.34, OSTER10] Dem Kunden bieten wir also einen Preiskatalog für Erstberatung, Schnupperkurse, Kurse, Projekt- und Prozessbegleitung. Außerdem werden kostenflichtige Materialien aufgeführt. In der Community kann man Mitglied sein. Dort gibt es gegen einen annehmbaren Mitgliedsbeitrag Informationen. Individualsoftware wird mithilfe von Scrum erzeugt. Der Kunde muss sich hier darauf einlassen, Sprints zu bezahlen. Am Ende des Aufklärungsvorganges sollte die Erkenntnis stehen, dass ein genaues Ermitteln des Aufwandes vor einer tiefgreifenden Analyse unmöglich ist. Dafür ist der Kunde mit höchstmöglichster Transparenz in den Entwicklungsprozess eingebunden. Das Maß an möglichen Betrug ist so auf ein Minimum beschränkt. Diese Vorgehensweise richtet sich also an den Kunden, der vor der Wirklichkeit nicht die Augen verschließen möchte.

Damit wurden 5 Bausteine beschrieben, bleiben 4 weitere für den folgenden Post. Damit diese gedanklich nicht allzu weit auseinanderliegen, werde ich ihn das nächste Mal veröffentlichen.

  • [OSTER10] Alexander Osterwalder & Yves Pigneur: "Business Model Generation", Campus Verlag, Frankfurt, New York, 2011


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